Pfarrer Hopmann im Interview

Im Interview spricht er über die Anfrage des Kardinals, den Abschied von St. Martin Euskirchen und seine Hoffnung auf eine Kirche, die mutig, glaubwürdig und nah bei den Menschen bleibt.
Ab dem 1. Juni 2026 wechseln Sie ins Amt des Generalvikars. Wie sehr hat diese Anfrage Ihr Leben erst einmal auf den Kopf gestellt?
Ja, das kam natürlich sehr überraschend. Ich habe gar nicht damit gerechnet und habe mich auch nicht in diesem Amt gesehen. Meine Perspektive war eigentlich, dass ich ungefähr zehn Jahre hier in Euskirchen bleibe. Nach ungefähr der Hälfte der von mir geplanten Zeit, kam die Anfrage jetzt natürlich sehr unerwartet.
Wann wussten Sie, ich sollte diese Aufgabe übernehmen?
Der Herr Kardinal hat mich angefragt und wir haben uns zu einem Gespräch getroffen. Er hat mir dann erläutert, warum er meint, dass ich der Richtige wäre und er mich ausgewählt hat. Dabei wurde natürlich klar, dass man zusagt, wenn der Bischof einen darum bittet.
Sie verlassen eine Gemeinde, die Sie über vier Jahre geprägt haben. Was fällt Ihnen am schwersten?
Über die Jahre wachsen vielfältige Beziehungen zu Mitarbeiterinnen & Mitarbeitern, zu Ehrenamtlichen, aber auch zu vielen Gläubigen oder Menschen, die einfach hier in Euskirchen wohnen. Es fällt mir eigentlich am schwersten, diese Menschen zu verlassen. Es waren einfach viele schöne Erfahrungen in den letzten Jahren dabei.
Worauf blicken Sie mit besonderem Stolz zurück?
Stolz klingt vielleicht ein bisschen überheblich, aber ich freue mich, dass uns die schwierige Aufgabe der Fusion – die Zusammenführung der 16 ehemals eigenständigen Pfarreien zur gemeinsamen Pfarrei St. Martin Euskirchen – trotz allem doch so gut gelungen ist.
Neue Rolle, neue Verantwortung:
Viele Menschen können mit dem Amt Generalvikar wenig anfangen. Wie würden Sie Ihren neuen Job in einem Satz erklären?
Der Generalvikar ist der Stellvertreter des Bischofs. Er vertritt ihn und er handelt immer in seinem Interesse und natürlich auf keinen Fall gegen den Bischof.
Der Generalvikar gilt als einer der mächtigsten Männer eines Bistums. Macht Ihnen diese Verantwortung Respekt?
Ja, diese Aufgabe gehe ich mit großem Respekt an! Im Moment habe ich nur eine Ahnung, was das Amt und die Aufgabe alles umfasst. Respekt habe ich da auf jeden Fall, das gebe ich zu.
Was reizt Sie mehr: Gestalten oder verwalten?
Gestalten. Kirche muss sich immer weiterentwickeln. Es müssen neue Dinge gestaltet werden. Verwalten ist Stillstand, status quo behalten.
Wie verhindern Sie, dass man in einer Leitungsfunktion den Kontakt zum Alltag der Menschen verliert?
Mir war immer wichtig Kontakt zu haben – ich hoffe, ich habe zukünftig die Zeit, das beizubehalten. Ob zu Freunden, zu Menschen, auch zu Menschen, die mit Kirche vielleicht weniger zu tun haben, das hilft, geerdet zu bleiben und nicht in einer Blase zu sein, sondern auch mit Menschen, die ganz normal leben, Kontakt zu haben und ihre Sichtweise zu hören. Ich glaube, das ist ganz entscheidend.
Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen unbedingt anpacken?
Ich möchte in den ersten 100 Tagen vor allen Dingen möglichst viel im Generalvikariat kennenlernen, um zu sehen: Wie können wir die Dinge gestalten? Wie können wir sie vorantreiben? Was für Ideen bringen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit?
Kirche im Wandel:
Die Kirche verliert Mitglieder, Vertrauen und oft auch gesellschaftliche Relevanz. Warum bleiben Sie trotzdem überzeugt?
Weil ich überzeugt bin, dass wir mit dem Evangelium, mit der frohen Botschaft, die wichtigste und beste Botschaft der ganzen Welt haben – dass Gott mit uns ist, dass er uns liebt, dass er uns begleitet, dass wir nie allein sind. Und wer das wirklich verstanden hat, der spürt eine unglaubliche Kraft, eine Stärkung für sein Leben. Es macht das Leben reich und wertvoll, mit einer Perspektive selbst über dieses irdische Leben hinaus. Deshalb kann man da eigentlich nur optimistisch sein.
Wo erleben Sie trotzdem Aufbruch oder Hoffnung?
Ich war gerade in London zu einer Lernreise, auf die der Herr Kardinal mich und andere aus unserem Bistum geschickt hat. Wir haben Gemeinden kennenlernen dürfen, die wirklich im Wachstum sind, die innovative Projekte vorantreiben, wo sehr viele Menschen von außerhalb dazu kommen, die vorher nichts mit Kirche zu tun hatten – auch gerade viele junge Menschen. Und ja, das bestärkt, das gibt Hoffnung. Wir überlegen jetzt, wie wir das auch bei uns ins Bistum übertragen können. Wo können wir etwas aufgreifen und Ideen umsetzen, um auch hier im Erzbistum Köln zu einer Kirche im Wachstum zu werden?
Was müsste Kirche tun, um für jüngere Menschen wieder glaubwürdiger zu werden?
Ich glaube, vor allen Dingen, authentisch und ehrlich sein. Junge Menschen spüren ganz besonders: Ist jemand überzeugt von dem, was er tut und sagt? Stimmt Botschaft und Leben überein? Und natürlich auch fragen, was Jugendliche brauchen. Sind unsere Angebote ansprechend für Jugendliche? Auch da werden wir uns in den nächsten Jahren noch mal verstärkt drum kümmern.
Führung & Persönlichkeit:
Wie würden Menschen, die mit Ihnen arbeiten, Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich arbeite gern mit anderen zusammen und auch bei Entscheidungen habe ich es eigentlich immer gerne, wenn man sich bespricht und berät. Meine Erfahrung ist, dass wenn man eine Idee hat und mit anderen drüber spricht, neue Ideen entstehen und neue Perspektiven hinzu kommen. Eine Lösung wird immer besser, wenn man sie nicht alleine entwickelt, sondern möglichst viele daran beteiligt.
Können Sie gut delegieren oder machen Sie Dinge lieber selbst?
Bei größeren Bereichen, wie hier in Euskirchen geht es gar nicht anders, als auch zu delegieren bzw. alle Beteiligten ihre Aufgabenbereiche selbstständig ausüben zu lassen. Deshalb denke ich, gelingt es mir zu delegieren.
Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kritik halte ich für sehr wertvoll, denn niemand hat die Weisheit mit Löffeln gegessen und niemand hat immer die besten Lösungen. Deshalb ist es wichtig, dass man Rückmeldungen bekommt. Kritik kann sowohl positiv als auch negativ sein und so hilft es, eine Einschätzung von außen zu bekommen: Wo kann man besser werden? Wo kann man Dinge anders machen? Wo kann man besser vorankommen, wenn man Dinge anders handhabt? Und deshalb halte ich das für sehr wertvoll.
Gibt es Entscheidungen, die Ihnen schlaflose Nächte bereiten?
Natürlich hatte ich auch schwierige Entscheidungen zu treffen, aber glücklicherweise gelingt es mir gut, dann abends so weit abschalten zu können, dass es meinen Schlaf nicht beeinträchtigt.
Was hilft Ihnen persönlich, in stressigen Phasen ruhig zu bleiben?
In stressigen Phasen ist es für mich einfach wichtig, auch ganz bewusst Zeiten der Stille einzufügen, Zeiten des Gebetes und sich zu vergewissern, was ist das wirklich Wichtige? Ist es jetzt diese einzelne Aufgabe oder ist es die persönliche Christusbeziehung? Das hilft dann auch gut, durch stressige Phasen durchzukommen.
Schnelle Fragen / Kurze Antworten:
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf viele engagierte Menschen mit guten kreativen Ideen.
Ein Wort, dass Kirche heute dringend braucht?
Mut.
Kaffee vor Sitzungen oder Gebet vor Sitzungen?
Beides.
Mehr Optimist oder mehr Realist?
Optimist.
Was möchten Sie am Ende Ihrer Amtszeit einmal sagen können?
Dass ich durch meine Arbeit dazu beigetragen habe, die Kirche von Köln nach vorne zu bringen. Dass wir attraktiv werden, dass wir Menschen für das Evangelium, für den Glauben, für Jesus Christus gewinnen konnten.
Nutellabrot, mit oder ohne Butter?
Ohne.
Was möchten Sie Ihrer bisherigen Gemeinde unbedingt noch mitgeben?
Ich habe hier in Euskirchen immer das gute Miteinander geschätzt, bei vielen schwierigen Dingen, die wir zu entscheiden hatten (Veränderte Gottesdienstordnung, die Fusion etc.). Natürlich gibt es auch Anregungen, Gedanken oder auch Kritik daran, aber wir haben immer versucht, das in einem guten Miteinander hinzubekommen und nicht in einem Gegeneinander. Ich würde mir wünschen, dass es so weitergeht und man auch mit meinem Nachfolger ein gutes Miteinander pflegt. Dass Kritikpunkte offen und ehrlich angesprochen werden, aber dass man versucht Dinge gemeinsam anzugehen, gemeinsam Lösungen zu finden, gemeinsam nach vorne zu gehen. Das habe ich hier in den letzten Jahren sehr dankbar erleben dürfen und das wünsche ich allen auch weiterhin.
Ab dem 01.06.2026 übernimmt Pfarrvikar José Pérez Pérez als Pfarrverweser vorübergehend die Leitung der Katholischen Kirchengemeinde St. Martin Euskirchen.