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Heilig Kreuz - Kreuzweingarten

Heilig Kreuz, Kreuzweingarten

Die Kirche befindet sich im Seelsorgebereich Euskirchen-Bleibach/Hardt. 

Die Messen werden jeden Dienstag um 09:00 Uhr und sonntags im Wechsel mit St.Brictius, Euenheim um 11:30 Uhr gefeiert.

Die Kirche ist zu den Messzeiten geöffnet.

Die Geschichte der Pfarrei Kreuzweingarten ist gemäß einer Abschrift des Prümer Urbars von 893 aufs engste mit der Klostergründung der Abtei Prüm in Münstereifel verbunden. Weingarten war eine von acht Mutterkirchen, die dem Kloster Zins und Dienstbarkeit schuldeten. 1260 hat der Kölner Weihbischof Heinrich v. Oesel einen Altar in Weingarten konsekriert. Chor und Turm entstammen dem 14. Jahrhundert. Das Seitenschiff, von den Pfarrangehörigen „Dechantsgang" genannt, ist eine Stiftung vor 1660 durch Everhardus Bosshammer, der aus Weingarten stammte, dort als Priester wirkte und später Dechant der Christianität Zülpich wurde.

Aufstieg zur Kirche
Mächtige Bruchsteinmauern stützen den Nord- und Osthang des Kirchberges ab. Ein steiler Weg führt durch eine Allee betagter Lindenbäume zur Kirche auf dem Münsterberg. Auf halbem Weg kündet ein Relief des kreuztragenden Christus (von W. Albermann, Köln,1926) die Namensgebung der Kirche an: „Heilig Kreuz“. Unter dem Schlussstein mit einer heraldischen Lilie führt eine polierte Kalksinterstufe aus dem Römerkanal durch das romanische Portal ins Kircheninnere. Viele Jahrhunderte und der Opfersinn der Gläubigen haben bei der Ausstattung der Kirche Spuren hinterlassen: Ein halbes Jahrtausend vergeht von der Anbringung der ältesten Kreuzdarstellung bis zur neuesten Anschaffung, einer Kreuzwegdarstellung, Anfang des 21. Jahrhunderts.

Tradition der Kreuzverehrung in Kreuzweingarten
Ältestes Zeugnis für die Verehrung des heiligen Kreuzes in Weingarten legt die Glocke „Zu Ehren des heiligen Kreuzes" von 1398 ab. Um 1660 wird die Pfarrkirche zu Weingarten erweitert, da sie „die Menge der Pilger am Fest des Hl. Kreuzes nicht zu fassen“ vermag. 1663 wird eine Bruderschaft vom Heiligen Kreuz und der Schmerzhaften Mutter in Weingarten erwähnt. Seit 1804 ist die Pfarrei im Besitz einer Kreuzreliquie aus der Trierer Kartause. Im gleichen Jahr wurden die Pfarrei in der Neuumschreibung der Pfarreien zum ersten Mal „Kreuz“-weingarten genannt, eine Namenserweiterung, der die Zivilgemeinde erst 1926 folgte.

DAS ENSEMBLE DES HOCHALTARS
Der thematische Schwerpunkt der Kirche bekundet sich am augenfälligsten in Aufbau und Bildinhalten des barocken Hochaltares, zu dem die Kreuzwegstationen als Wegweiser hinführen.


Gottvaterbild mit der Taube
Auf dem von vier Rundsäulen mit vergoldetem Blatt- und Volutenkapitell getragenen Architrav befindet sich zwischen zwei gesprengten Giebeln ein aus Wolken hervortretendes Gottvaterbild und eine darunter schwebende Taube, Symbol des Hl. Geistes. Darunter im Altaraufbau das Ölgemälde

„Christus am Kreuz"
Kunsthistoriker sind der Meinung, dass diese barocke Bildkomposition eigens für die Kirche angefertigt wurde, also die Auftragsarbeit eines Pfarrers, des Münstereifeler Stiftes oder eines oder mehrerer Wohltäter der Pfarrei gewesen ist. Experten setzen die Entstehung gegen Ende des 17. Jahrhunderts an. In dieser Epoche kommt Christi Verlassenheit besonders im „Einsamen Kruzifixus" zum Ausdruck.

Als Höhepunkt der mehrjährigen Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche wurde 1927 durch Weihbischof Hermann Joseph Sträter ein neuer Altartisch konsekriert mit einer Mensa aus einer Eifeler Buntsandsteinplatte.

Das Antependium, ein Rokoko- Gemälde mit der Darstellung der Kreuzauffindung durch die Hl. Helena. Dahinter befindet sich eine polierte Kalksinterplatte aus dem Römerkanal mit dem ranken- und kreuzgeschmückten Christusmonogramm IHS und drei eingravierten Nägeln.

Der verschließbare Drehtabernakel
mit drei farblich unterschiedlich gefassten Nischen (entsprechend der liturgischen Zeiten) um 1750 wurde barockisierend eingebaut, wobei das Gehäuse von je zwei gedrehten marmorierten Säulen mit vergoldeten Kapitellen eingerahmt wird.

DAS LANGHAUS
In den „Kunstdenkmälern der Rheinprovinz" wird das Langhaus als „schmucklos", dessen Inneres flach gedeckt ist, bezeichnet. „Das Chorhaus... öffnet sich zum Langhaus in einem einfachen Spitzbogen. Die lichten Maße des Langschiffes betragen siebzehn mal zehn Meter.“

Ein eingelassenes Messingkreuz im Mittelgang erinnert an den Stifter des Seitenschiffes, Dechant Bosshammer, dessen Gebeine nach der Restaurierung 1980 hierhin umgebettet wurden.

Herz-Jesu-Altar
Am Chorabschluss links befindet sich der Herz-Jesu-Altar, der sich in seinen Aufbauten dem barocken Hochaltar anpasst und Ende der 80er Jahre ergänzt und farblich neu gestaltet wurde. Die Herz-Jesu-Statue stammt aus dem Jahr 1900.

Kanzel mit der Figur des Erzengels Michael
Der mit vier Kassetten ausgestattete, fünfseitige Kanzelkorb ruht auf einer geschwungenen mit mehrfachem Profil ausgestatteten und vergoldetem Blattornament versehenen Säule und lehnt gegen die rechte Chorabschlussmauer an. Nach oben ist die Kanzel durch einen fünfseitigen Baldachin abgeschlossen mit einer Taube an der Unterseite. Auf dem Schalldeckel ruht eine voluten-geschwungene Konsolkrone mit der Figur des hl. Michael, der den Drachen besiegt hat.

Vor der Kanzel ein Rokoko-Messingkreuz als Vortragekreuz bei feierlichen Prozessionen.

St. Margareta
Als Gegenüber zur Himmelskönigin mit dem Kind präsentiert sich die 2. Pfarrpatronin, St. Margareta, die Heilige mit dem Drachen, an der Südmauer des Langschiffes. Obwohl kein großes Meisterwerk barocker Kunst entbehrt die Abbildung nicht einer gewissen Eleganz: Die Gesichtszüge sind adelsstolz, die Feingliedrigkeit von Hand und Fingern augenfällig, die Farbgebung von Anfang 1990 dezent.

Maria Königin mit dem Jesuskind
Die „Himmelskönigin mit dem Kind" am Pfeiler der Kirche ist ein barockes Werk aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Maria, ausgestattet mit dem Szepter in der Rechten, gekrönt mit der Lilienkrone, hält auf der Linken den unbekleideten Jesus, gekrönt mit der Herrscherkrone, dem Betrachter entgegen. Die Krone des Kindes scheint reichlich überdimensioniert für die kleine Gestalt. Die Krone Marias dagegen ist klein und zierlich.

Das „Missionskreuz"
Anders als das Altarbild verkörpert der Gekreuzigte den von den Qualen der Folterung Erlösten: Das todmüde Haupt ist ermattet zur Seite gesunken, der Gesichtsausdruck eher friedlich, durch den halb geöffneten Mund haben die Mitzeugen des Todes Jesu seine letzten Worte vernommen: „Es ist vollbracht". Die Entstehungszeit des barocken Kruzifixus mit spätgotischen Elementen ist um 1720 anzusetzen.

Die Kreuzwegstationen
Die Kreuzwegstationen sind ein Werk der Euskirchener Künstlerin Gabriele Latzke: „Das quadratische Format (40x40cm) korrespondiert als harmonische Form zur romanischen Architektur der Heilig-Kreuz-Kirche. Es ist fest gefügt und gleichmäßig, hat keine Richtung, sondern ruht in sich, verkörpert somit ein Ideal der Besinnung und Ruhe und verweist auf die Mitte. Die Figuren sind in einer reduzierten und gleichzeitig expressiven Gegenständlichkeit dargestellt. Das Kreuz als zentrales Motiv ist als Quadratausschnitt gestaltet, es wird als „Weltbild“ zur Projektionsfläche der Welt-Landschaft, dem Lebensort der Menschen. Jesus nimmt mit dem Kreuz die Schuld der Menschenwelt auf sich.“ (gekürzt nach: G. Latzke „Einführung in die Kreuzwegdarstellung“. Weilerswist 2009)

Volkskunst
Am vorderen Zugang vom Seiten- zum Hauptschiff befindet sich die Darstellung des hl. Josef mit dem Jesuskind. Es ist dies eine barocke Nachempfindung des Nähr- und Pflegevaters Jesu von Johann Vus, einem Mitglied der Pfarrei, 1988 geschnitzt und von Josef Frenz aus Euskirchen polychrom gefasst.

St. Christopherus, Schutzpatron der Autofahrer und Reisenden, stammt von Jakob Bohnen, Kreuzweingarten, aus dem Jahr 1988.

DAS SEITENSCHIFF

Marienaltar und Pietà
Die Aufbauten des Marienaltars im Dechantsgang sind Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts restauriert und im Barockstil des Hochaltares ergänzt worden. Reiche Ornamentik und begleitender Figurenschmuck der Evangelistensymbole, getragen von den Flügeln der Cherubim, Relieffiguren an den Säulenschäften und Putten sowie der Schriftzug Totus tuus, der Wahlspruch von Papst Johannes Paul II., verleihen den Aufbauten eine fast überbordende Fülle an Aussagen und Interpretationsmöglichkeiten. Dechant Bosshammer stiftete den Altar und Nikola Reinartz hat der Kirchengemeinde 1922 mit der Pietà ein unvergleichlich schönes Kunstwerk übereignet, das in der konkaven Nische seinen Platz hat. Es stammt aus der Zeit des späten 16., die polychrome Fassung ist das Werk des frühen 20. Jahrhunderts.

Die Heiligen Antonius von Padua und Aloysius
Die Figuren an der Nordwand des Dechantsganges sind Ausdruck zeitbezogener Volksfrömmigkeit. Die Attribute des heilige Antonius von Padua, das Buch und das Jesuskind, erinnern in zweifacher Hinsicht an das Schöpfungswerk Gottes: einmal durch das in den Büchern der Bibel manifestierte Wort, und zum anderen durch den Jesusknaben, das Mensch gewordene Wort Gottes. Die Kirche feiert seinen Namenstag am 13. Juni.

Der hl. Aloysius, geboren 1568, Sohn eines italienischen Markgrafen, als Knabe vom Vater zur Vorbereitung auf sein späteres Erbe in die Dienste der Medici nach Florenz und später des Herzogs von Mantua geschickt, ist dargestellt mit Chorrock ohne Stola, in der linken Hand ein Kreuz haltend, das Attribut der Lilie in der Rechten fehlt. Er wird angerufen in Anliegen einer rechten Berufswahl und von der studierenden Jugend seit 1729 als ihr besonderer Schutzheiliger verehrt.

Taufnische
Der Fuß des dreiteiligen Taufbeckens besteht aus Urfter Marmor und ist um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden. Das ursprüngliche Taufbecken dient heute als Weihwasserbecken im Eingangsbereich der Kirche und wurde ersetzt durch ein Holzgefäß mit abschließendem Deckel. Der Osterleuchter wurde 1987 von dem Kreuzweingartener Jakob Bohnen aus einem zu ersetzenden Eichenbalken des Kirchturmes herausgearbeitet.

Der Weihwasserbehälter, ein mit zwei Weintrauben gekröntes Kreuz, aus dessen Fuß vier Ähren hervorwachsen, ist eine bildliche Darstellung für den Ortsnamen „Kreuz-Wein-Garten".

Die muschelförmigen Schale des Weihwasserbeckens ruht auf einer Buntsandsteinsäule aus dem Jahr 1923 mit den Buchstaben P F S S als Abkürzungen für Pater, Filius, Spiritus Sanctus, die lateinischen Wörter für Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Gotisches Kreuz
Im Bogen über der Ausgangstür hängt das wohl älteste Kleinod der Kirche, ein spätgotischer Dreinagel-Kruzifixus ohne Titulus aus der Zeit um 1500. Der dornengekrönte Christus ist als Entschlafener dargestellt, das Haupt voll Würde zur Seite geneigt, der Körper, ermattet und vorn Tode gezeichnet, erhaben und ehrwürdig. Der Lendenschurz ist mit reichem Faltenschmuck ausgestattet.

Beichtkapelle
In der Beichtkapelle unter dem Turm befindet sich ein barocker Beichtstuhl vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Auf einer Konsole steht die Figur einer Immaculata, die „Madonna mit der Lilie“.

Am inneren Bogen der Beichtkapelle befindet sich ein 1978 gestiftetes, farblich nicht gefasstes Gabelkreuz aus Eichenholz. Die emporgereckten Arme, lassen schon eine Vorahnung der Osterbotschaft von der Auferstehung durchscheinen.

Orgel
„Unter den zahlreichen Kleinorgeln aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darf diese Orgel als besonders gutes Modell im denkmalpflegerischen Sinne gelten. Der greise Meister Franz Josef Schorn hat sich mit seinem letzten opus ein überzeitliches Denkmal handwerklicher Treue gesetzt. Dieses Denkmal gilt es weiter zu erhalten und zu pflegen.“ (Prof. H. Pulverscheidt)

Die Disposition der Kreuzweingartener Orgel lautet:

I. Manual (C-f'''):
Bordun 16' 
Principal 8' 
Gamba 8' 
Oktave 4' 
Progressio 1-3 fach

II. Manual (C-f'''):
Gedeckt 8'
Salicional 8'
Flöte 4'
Flageolett 2' (neu 1983)
Pedal (C-c') angehängt

Glasmalerei
Die Glasgemälde aus den Jahren 1929-31 stammen aus der Werkstatt der Kölner Kunstglasmalerei Ludwig Preckel. Die Fenster zeigen, im Chor beginnend, Darstellungen Christi:

  1. Der verheißene Erlöser auf den Armen der Mutter.
  2. Der jugendliche Christus in dem zerfallenen Heidenwalle über Weingarten.
  3. Christus als göttlicher Weingärtner.
  4. David, der königliche Sänger. Im Dechantsgang mit dem Marienaltar
  5. „Die Schutzmantelmadonna", schließlich
  6. „Die Verkündigung der Frohen Botschaft durch den Erzengel Gabriel" und
  7. das Fenster in der Taufnische mit dem Liedtext: „Fest soll mein Taufbund immer stehn".


Glocken

Im Glockenstuhl des Turmes läuten fünf Glocken zu den Gottesdiensten, verkünden Freud und Leid der Pfarrgemeinde, rufen täglich durch das Angelusläuten die froh machende Botschaft in die Erinnerung des Gottesvolkes. Es sind dies die 

  1. Kreuzglocke aus dem Jahr 1398 (300 kg),
  2. Marienglocke (Maria heiß ich) aus dem Jahr 1477 (500 kg), 
  3. Friedensglocke (Sankt Maria heiße ich) von 1649 (535 kg), 
  4. Bruderschaftsglocke von 1977 (1000 kg),
  5. Engelglocke 1988 (240 kg).


Kirchhof
Zum Grundbesitz der Kirche gehört noch der kirchennahe Teil des kommunale Friedhofes mit einem barocken Friedhofskreuz von 1782 und eine Reihe von Grabsteinen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Nicht mehr zur Kirche gehörig, wegen ihrer religiösen Aussage  erwähnenswert, ist die Kriegergedächtniskapelle mit einem Mosaikbild des auferstandenen Christus.

 

© Hermann Josef Kesternich.

Der Text darf ohne Zustimmung des Verfassers nicht geändert werden. Eventuelle Bildergänzungen sind mit dem Verfasser abzustimmen.

Impressionen der Kirche

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